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Echte Experimente - Workhack #2

In der Reihe Workhacks zeige ich Dir, wie Du Deinen Arbeitsalltag verbessern oder langweilige Routinen aufbrechen kannst.

An Ideen mangelt es nicht, auch die Bereitschaft die Idee mal auszuprobieren ist durchaus vorhanden. Aber leider verläuft das Experiment irgendwann im Sande.

 

Heute möchte ich Dir zeigen, wie aus "einfach mal ausprobieren" ein echtes Experiment wird, das nicht einfach im Sande verlaufen wird, sondern entweder erfolgreich in die Praxis übernommen oder ganz bewusst beendet wird.

Eine tolle Idee!

Du hast eine tolle Idee für eine Verbesserung und möchtest sie am liebsten sofort mit Deinem Team umsetzen. Leider sind Deine Kollegen nicht sofort überzeugt und wollen sich nicht darauf einlassen. Im letzten Beitrag habe ich Dir vorgeschlagen, in so einem Fall die Idee als Experiment zu verkaufen. Ich behauptete, Du hättest dabei nichts zu verlieren: Wenn die Idee gut ist, wird sie sich durchsetzen, funktioniert sie nicht wie geplant, ist es auch nicht schlimm, wenn zum alten Vorgehen zurückgekehrt wird.

 

Aber ist das wirklich so? Kann es nicht auch sein, dass die Idee eigentlich schon funktioniert, aber dennoch nicht angenommen wird? Tatsächlich kommt das vor. Denn wenn die Idee eine Verhaltensänderung erfordert, kann sich das einfach ungewohnt oder schwierig anfühlen. Verhaltensänderungen erfordern eine ausreichend große Anzahl an Wiederholungen, bis sie sich durchsetzen. Wenn ihr nun einfach so loslegt, dann kann es gut sein, dass der innere Schweinehund siegt und der Versuch einschläft und der alte Trott wieder einsetzt.

Ein echtes Experiment

Damit mit Dir das nicht passiert, probiert ihr die neue Idee nicht einfach so aus, sondern macht sie zu einem echten Experiment. Aber was ist denn der Unterschied zwischen "echtem Experiment" und "Ausprobieren"?

 

Beim Ausprobieren verabredet man sich, versuchsweise etwas anders zu machen, als bisher. Wenn man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, dann lässt man es halt wieder.

 

Beim echten Experiment ist das ganz ähnlich. Allerdings vereinbart man ein paar Kriterien anhand derer entschieden werden kann, ob das Experiment erfolgreich ist oder nicht. Wenn Du also ein Experiment machen möchtest, finde diese Kriterien! Damit Du Dir das nicht alles selber ausdenken musst, mache ich Dir ein paar Vorschläge.

Eine Hypothese

Schreibe auf, welche positiven Veränderungen Du Dir von Deinem Experiment erwartest. Was wird anders sein, als heute, wenn Deine Idee umgesetzt wird?

  • Durch meine Idee werden wir weniger Zeit als heute aufwenden müssen, um unsere Kundenaufträge ausliefern zu können!

Erfolg messbar machen

Hast Du Deine Hypothese formuliert, dann ist deren Aussage vielleicht noch etwas schwammig. Setze Dir ein konkretes Ziel oder auch mehrere:

  • Unsere Kundenaufträge werden 10% früher ausgeliefert.
  • Unsere Kundenaufträge werden genauso schnell ausgeliefert wie bisher, aber wir machen keine Überstunden mehr.

Gut Ding will Weile haben

Je älter der Mensch ist, desto mehr Wiederholungen braucht es, bis ein verändertes Verhalten zur Gewohnheit wird. Sorge also dafür, dass Dein Experiment ausreichend lange dauert, um auch wirklich eine echte Chance erfolgreich zu sein zu bekommen. Als Faustregel kannst Du annehmen, dass Erwachsene neue Dinge etwa 30 Mal machen müssen, bis sie wirklich zur Gewohnheit werden. 

Besteht Deine Idee also darin einmal in der Woche etwas anders zu machen, als bisher, dann sollte Dein Experiment schon ein halbes Jahr dauern!

Zwischendurch messen

Wenn Dein Experiment ein halbes Jahr dauert, dann ist es ganz sicher hilfreich, zwischendurch immer wieder über die Erfahrungen mit Deiner Idee zu sprechen. Eventuell zeigt die Erfahrung ja auch, dass man sie noch ein bisschen optimieren kann?

Plane also regelmäßig Retrospektiven ein bzw. beleuchte das Experiment im Rahmen der ohnehin in Deinem Team durchgeführten Retrospektiven.

Ausstiegskriterien definieren

Manchmal fühlt sich so eine Änderung verdammt unbequem an. Besonders, wenn sie noch neu ist. Die Versuchung ist daher groß, sie im Rahmen einer Retro als gescheitert zu bezeichnen, um wieder zum Status Quo zurückkehren zu können. Damit der innere Schweinehund es nicht ganz so einfach hat, definiere klare Abbruchkriterien. Bedenke dabei aber, dass eine Veränderung immer erst einmal das Risiko von Effizienzverlusten birgt, bis sie wirklich gut geübt ist!

  • Wenn die Kunden mehr als 10% länger als bisher auf ihre Aufträge warten müssen und wir keine Idee zur Optimierung haben, brechen wir das Experiment ab.
  • Wenn unsere Überstunden mehr als 20% zunehmen und wir keine Idee zur Optimierung haben, brechen wir das Experiment ab.

Tipp

Wenn Du echte Experimente öfter durchführen möchtest, dann gestalte Dir ein Canvas (also eine Art Formular) auf dem Du die Idee, Deine Hypothese und die übrigen Kriterien in einer übersichtlichen Struktur erfasst. So haben Du und auch Deine Kollegen immer eine Vorlage zur Hand, mit der ihr eure Experimente gestalten könnt und euer innerer Schweinehund hat eine noch kleinere Chance zu gewinnen!


Habt ihr im Team viele Routinearbeiten, die regelmäßig wiederkehrend anfallen und die ihr dennoch gerne visualisieren möchtet, um sichtbar zu machen, woran ihr arbeitet? Dann habe ich im nächsten Beitrag eine ziemlich unbekannte Methode für Dein Team: Freue Dich auf Kamishibai!

 

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